Festansprache Herdern zum 1. August

Geschätzte Festgemeinde, liebe Frauen, liebe Männer und Kinder

Es ist mir eine Freude, mit Ihnen zusammen, den 731 Geburtstag der Schweiz zu feiern und in einer so schönen Gemeinde einige Gedanken an Sie richten.

Wenn man einen Birnenbaum pflanzt, darf man keine Äpfel erwarten! Oder anders gesagt, nur das, was wir säen oder eben pflanzen, können wir auch erwarten, zu ernten. Als Gärtner und Landwirt kann ich Ihnen versichern, dass dies so ist.

Liebe Festgemeinde, vor 731 Jahren taten sich die drei Eidgenossen zusammen und pflanzten oder säten mit ihrem Schwur gemeinsam für eine freie, unabhängige und sichere Schweiz einzustehen das kleine Pflänzchen Schweiz. Daraus ist eine bis jetzt andauende Erfolgsgeschichte geworden. In keinem anderen Land verfügen die Bürgerinnen und Bürger über so viel Freiheit, Selbstbestimmung, Sicherheit und Wohlstand, wie wir hier in der Schweiz.

Wir dürfen mit Stolz sagen, die Schweiz ist ein grossartiges Land und mit unserer einmaligen direkten Demokratie ist auch gewährleistet, dass die Schweiz von unten her geführt wird. In keinem anderen Land haben die Bürger und Bürgerinnen so viel zu sagen und können auf allen Stufen mitbestimmen. Mitbestimmen heisst aber auch Verantwortung übernehmen, für seine Haltung einzustehen und vorleben, was man selber von anderen fordert. Hier stehen wir täglich persönlich in der Pflicht.

Haben sich doch unsere Vorfahren zusammengeschlossen, weil sie wussten, nur gemeinsam können sie sich aus der Knechtschaft befreien. Sie haben aber auch geschworen, sich gegenseitig zu helfen, wenn sie in Not sind. Noch mehr, sie haben sich darauf geeinigt, nach welchen Werten sie ihr zusammenleben definieren möchten.

Diese Werte sind der Dünger und das Wasser, welches das Pflänzchen Schweiz gedeihen lässt. Sie sind die Nahrung, welche es braucht, dass wir auch zukünftig das ernten können, was unsere Vorfahren gepflanzt haben. Und ich glaube, genau bei dem Wort «Werte» müssen wir gemeinsam wieder vermehrt ansetzen. Ich würde das Wort sogar noch ergänzen, nämlich zu Wertvoll. Denn das was unsere Vorfahren gesät oder eben gepflanzt haben, dürfen wir heute dankend ernten. Es ist aber auch unsere Aufgabe im Interesse unserer Kinder und Enkelkinder die Pflanze Schweiz zu pflegen und zu hegen. Denn auch unsere Nachkommen können nur das ernten, was wir jetzt säen. Oder symbolisch gesagt, wenn wir möchten, dass es auch unseren Nachkommen gut geht und sie im Schatten einer erfolgreicher Schweiz leben können, müssen wir jetzt diesen schattenspendenden Baum pflanzen und gut zu ihm schauen.

Ja, unsere Freiheit, unsere Unabhängigkeit, die immerwährende Neutralität, unsere innere, wie auch unsere äussere Sicherheit, die Lebensmittel- und Energieversorgungsicherheit, das freie Unternehmertum und sogar die Altersvorsorge sind in Gefahr. Wir müssen hier gemeinsam als Gesellschaft wieder Gegensteuer geben. Sonst ist unser Wohlstand, ja unser Erfolgsmodel Schweiz, welches unsere Vorfahren mit Fleiss und stolz aufgebaut haben in Gefahr, denn von nichts kommt nichts.

Ja, wir sind eine Willensnation! Aber der Name «Willensnation» heisst nicht, ich will und die andern sollen machen und am liebsten auch noch zahlen. Nein, der Begriff «Willensnation» sagt, dass wir trotz verschiedener politischer Einstellungen, trotz unseren verschiedenen Sprachregionen und trotz verschiedenen Ansichten, gewillt sind zusammen für eine erfolgreiche Schweiz einzustehen und anzupacken und immer wieder Lösungen zu suchen.

Deshalb müssen wegkommen, nur für uns und unsere kurzfristigen Vorteile zu schauen und dabei die Gemeinschaft nie vergessen.

Wir müssen wegkommen, der jungen Generation Z vorzuwerfen, sie seien faul, selber sind wir aber auch nicht bereit, länger zu arbeiten für eine sichere AHV.

Wir müssen wegkommen, nur ideologisch zu denken und somit fahrlässig die Energieversorgung und unsere Selbstversorgung mit guten Schweizer Lebensmittel an die Wand zu fahren.

Wir müssen aufhören, aus falscher Toleranz unsere Herkunft und unsere christlichen Grundwerte nicht mehr zu leben.

Wir müssen aufhören, darüber zu diskutieren, was für Frisuren Musiker tragen dürfen oder wer jetzt welche Toilette benutzen darf, statt endlich die grossen gesellschaftlichen Probleme anzupacken.

Wir müssen wegkommen, alles mit immer neuen Gesetzen zu regeln und nach dem Vater Staat zu rufen, nur um sich selber aus der Verantwortung zu nehmen.

Wir müssen aufhören, mit immer weniger Arbeit und Einsatz immer mehr zu wollen und vor allem müssen wir weg kommen, die Zukunft zu düster zu malen, so wie ich es gerade mache, nämlich so düster, dass sogar Jugendliche keine Kinder mehr möchten, weil sie ihnen diese Welt nicht zumuten wollen.

Nein, wir müssen vielmehr wieder zusammenstehen, gemeinsam anpacken, kämpfen, bei Wahlen und Abstimmungen teilnehmen, um das Pflänzchen Schweiz, welches vor 731 Jahren von Menschen die an eine gemeinsame, sichere, erfolgreiche und unabhängige Schweiz geglaubt haben, mit dem aktiven Leben der damals vereinbarten Werte pflegen. Damit auch unsere Kinder und Enkelkinder noch zahlreiche Birnen von diesem Baum Schweiz ernten können.

Wenn ich die Bilder vom Bundeslager der Pfadi sehe, wo dank dem Einsatz zahlreicher Jugendlicher, die ihre Freizeit opfern, tausende Kinder ihre Ferien verbringen und Spannendes erleben dürfen.

Wenn ich sehe, wie wir mit dem Turnverein Müllheim und dem Schwingclub Ottenberg unter dem Motto «Wir leben Tradition» mit einem sehr engagierten OK und über 500 Helferinnen und Helfer das Thurgauer Kantonale Schwingfest organisieren konnten und dort alle entsprechend ihrer Stärken mitangepackt haben.

Wenn ich sehe, wie engagiert und mit Freude meine Lehrlinge in der Ausbildung zum Landschaftsgärtner sind.

Ja, und wenn ich sehe wie hier am 1. August zahlreiche Familien mit fröhlich spielenden Kindern mit dabei sind und die Helferinnen und Helfer vom Schützenverein mitanpacken, stimmt mich das für die Zukunft optimistisch.

Es zeigt mir aber auch, dass es sich lohnt und unsere Pflicht ist, sich für unsere Gesellschaft und Gemeinschaft zu engagieren, sei das in Vereinen, in der Feuerwehr, in der Kinderbetreuung, Nachbarschaftshilfe, in der Kirche, einfach überall, wo wir vielleicht nicht direkt einen kurzfristigen Profit haben. Dafür aber unheimlich viel lernen, gemeinsam viel erleben, Freundschaften pflegen und auch immer ein offenes Ohr bei Problemen finden und dazu noch Gutes tun können. Meine viele Engagements bestätigen mir immer wieder, wer sich für die Gesellschaft und Gemeinschaft einsetzt, lebt zudem glücklicher. Nehmen sie sich dies zu Herzen.

Es ist unsere Aufgabe nicht nur von so schönen Erlebnissen zu erzählen, sondern diese auch zu ermöglichen und in der nächsten Generation die Sehnsucht und Vorfreude darauf zu wecken. Es gehört aber auch dazu unseren Grosseltern immer wieder zuzuhören, was sie erlebt und bewegt haben. Nur somit können die Werte, wie Einsatz, Eigenverantwortung, Solidarität und persönlicher Gestaltungswille, welche die Schweiz erfolgreich gemacht haben, in die Zukunft transportiert werden.

Ich als frisch gebackener zweifacher Vater möchte an dieser Stelle auch sagen, dass es sich bestimmt immer lohnt, Kinder auf die Welt zu stellen, nur schon um in die mit voller Zuversicht und Unvoreingenommenheit funkelnden Augen zu schauen. Es ist auch ein klares Zeichen, an ein gutes Morgen zu glauben, zudem sind Kinder die einzige Möglichkeit unsere Werte und Überzeugungen direkt der nächsten Generation weiterzugeben.

Konsumieren wir also zukünftig nicht nur was uns die vergangenen Generationen durch ihre gelebte Werte und Traditionen alles ermöglichen, sondern leben sie aktiv, geben die Freude und das Positive weiter, damit auch unsere Kinder und Kindeskinder noch davon profitieren können und weiterhin am 1. August nicht nur in Erinnerung schwelgen, sondern stolz auf eine freie, sichere, unabhängige Schweiz in der es sich zu leben lohnt, anstossen zu können.

In diesem Sinne vielen Dank für Ihren Einsatz in irgendeiner Form für unsere Gesellschaft und Gemeinschaft.

Allen ein schönes Fest!

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