Tonnenweise Birnen abzugeben

Auf der Mauer, auf der Lauer, sitzt ‘ne kleine Wanze. Und beschädigt rund sieben Tonnen Birnen des Thurgauer Landwirts Manuel Strupler. Nun gibt er diese gratis der Bevölkerung ab. Die Meinungen darüber sind jedoch geteilt.

 

Sie ist klein, dunkel und nicht wirklich schön anzusehen. Um nicht zu sagen: hässlich. Und genau solche Stellen hinterlässt die Baumwanze an den Birnen. Das Ergebnis: dem Qualitätsstandard vom Handel entsprechen die Früchte nicht mehr. Der Thurgauer Landwirt und Gartenbauer Manuel Strupler kennt das Problem mit den Schädlingen zwar bereits. «So schlimm wie in diesem Jahr war es aber noch nie», sagt er. Rund 7000 Kilo Birnen weisen nun harte Stellen und Einkerbungen vor. Dennoch müssen sie geerntet werden, ansonsten drohen dem Baum weitere Schäden.

Früchte gratis abholen

So wurden in der Vergangenheit die betroffenen Früchte am Boden liegen gelassen. Auch für die Mosterei kommen die Birnen nicht in Frage, da Tafelbirnen nicht verwertet werden. «Die Birnen einfach liegen zu lassen, war natürlich kein schöner Anblick», so Strupler weiter. Dies auch deshalb, weil nicht grundsätzlich die ganze Frucht ungeniessbar sei. Schneidet man die harten Stellen weg, schmecken die Birnen genauso gut. «Meine Freundin kam schliesslich mit der Idee, über Facebook einen Aufruf zu starten», sagt Strupler. In einer kurzen Videobotschaft erklärt er, weshalb die Früchte Schäden vorweisen würden. Kommenden Samstag, 21. September, können Interessierte ab acht Uhr die Birnen ablesen und mitnehmen – kostenlos. «Ich bin selber gespannt, wie viele Leute kommen werden», sagt der Landwirt.

Wahlkampfaktion?

Bereits über 100 Kommentare wurden daraufhin gepostet – mehrheitlich positiv. Lebensmittel nicht einfach wegzuschmeissen, sondern eine Verwertung zu finden, kommt in Zeiten von «Food Waste» entsprechend gut an. Dennoch gibt es auch einige kritische Stimmen. Immerhin kandidiert Manuel Strupler für den Nationalrat. Einige Leser vermuten hinter der Aktion entsprechend nichts Anderes als Wahlkampf. «Wäre kein Wahljahr, wären die Birnen nicht beim Konsumenten, sondern stillschweigend in einer Biogasanlage gelandet», so einer der Kommentare.

Strupler weiss um diese kritischen Stimmen. «Mit dieser Aktion wollte ich mich nicht als selbstlosen Typen hinstellen. Vielmehr geht es um die Sache, dass Lebensmittel nicht einfach weggeworfen werden», sagt er. Menschen, die ihn kennen, wüssten, dass er sich aktiv in Vereinen und Institutionen engagiere – nicht nur dann, wenn eine Wahl anstehen würde. Und mit dem Video wollte er eine Erklärung liefern, mit welchen Herausforderungen die Landwirtschaft konfrontiert sei. Und Pflanzenschutz eben nicht immer nur schädlich sei, wie es häufig heissen würde. Sondern viele Früchte vor dem Verderben – und schliesslich der Tonne – schütze, auch wenn es in diesem Fall keinen Wirkstoff gibt.

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